Historie der Ölschaden-Assistance (Öl-Ass)

Nachdem Anfang 2008 die ersten Einwände von Versicherern zu Ölschadenrechnungen registriert worden waren, entwickelten sich in der Folgezeit zahlreiche streitige Korrespondenzen zwischen Versicherern auf der einen und Betrieben sowie Straßenbaulastträgern auf der anderen Seite, die im Gesamtmarkt bis in die Gegenwart zu tausenden Gerichtsverfahren geführt haben.

Die Gründe waren sowohl bei Versicherern, als auch bei einigen Betrieben zu suchen. Die Versicherer waren jahrzehntelang gewohnt, dass Ölspuren meist nur mit Bindemittel – ohne Nass-Nachreinigung - behandelt wurden und infolgedessen irrtümlich der Ansicht, dass diese Vorgehensweise dem Stand der Technik entspräche und das maschinelle Nassreinigungsverfahren eine Art „Luxusreinigung“ sei. Dabei wurde allerdings übersehen, dass die maschinelle Nassreinigung wegen des erheblich geringeren Zeitaufwandes und geringerer Entsorgungskosten im Schnitt etwa ein Drittel billiger ist, als die fachgerecht ausgeführte Ölbindermethode mit anschließender Nass-Nachreinigung. Andererseits gab es einige Betriebe, deren Rechnungen nicht nachvollziehbar waren, die deswegen das ohnehin vorhandene Misstrauen auf Seiten der Versicherer und die insbesondere dadurch entstandene unbefriedigende Situation für alle Marktteilnehmer noch gefördert haben.

Das Führungsteam der Ölschaden Assistance GmbH, die im September 2011 gegründet wurde, hatte sich bereits seit Mitte 2009 mit Lösungskonzepten befasst, die im Mai 2010 zur Bekanntmachung des Fallpauschalen-Systems geführt haben. Dieses wurde mit einer führenden Versicherung über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren zur Probe angewandt. Die Auswertung war durchaus positiv. Die Grundlage für die in Ansatz gebrachten Pauschalpreise und die damit verbundenen Zeiten bildete eine Analyse von über 1300 vorliegenden Rechnungen aus drei Jahren. Die ständige Weiterentwicklung fand unter Einbeziehung externer Spezialisten statt und führte 2011 zur Einrichtung einer webbasierten Plattform, deren prinzipielle Funktionsweise im Februar 2012 an vier Regional-Tagungen allen interessierten Fachbetrieben vorgestellt wurde. Außer der extrem zeit- und kostenaufwändigen Entwicklung der Software sowie der ständigen Weiterentwicklung wurden parallel zahlreiche rechtliche Aspekte des Vertrags- und Kartellrechts geklärt. Die Öl-Ass-Plattform steht somit allen im Bundesgebiet ansässigen Fachbetrieben offen, die u.a. durch entsprechende Zertifizierungen nachweisen, dass sie die qualitativen und technischen Anforderungen erfüllen. Überprüfte und zugelassene Dienstleister erhalten einen individuellen Zugang zur Plattform und können ihre Rechnungen in der Plattform erstellen. Mithilfe der Plattform werden diese Rechnungen vor dem Versand an die jeweiligen Kostenträger umfangreich automatisch sowie manuell durch Sachverständige bezüglich getriebenen Aufwand, Kosten und Plausibilität geprüft. Für die Entwicklung der Prüf- und Abrechnungsplattform wurde der Öl-Ass im März 2012 der Innovationspreis „ Best of IT 2012“ verliehen.

Im Laufe des Jahres 2012 konnte die Öl-Ass die ersten Kooperationsverträge mit der KRAVAG/R+V-und der HUK-Gruppe sowie allen Versicherungen, an denen diese mehr als 50 % Beteiligungen haben, vereinbaren. Weitere Versicherungen schlossen sich der Öl-Ass an, so dass es zum Stand April 2015 insgesamt 20 Versicherungen sind, mit denen die Dienstleister über die Prüf- und Abrechnungsplattform die Abrechnung zur Ölschadenbeseitigung vornehmen. Die Öl-Ass steht ständig in Gesprächen und Verhandlungen mit interessierten, möglichen neuen Kooperationspartnern. Außerdem wurde 2013 die Möglichkeit geschaffen, auch Rechnungen an Straßenbaulastträger in der Plattform zu erstellen. Die Öl-Ass-Plattform gewährleistet, dass Ölschaden-Rechnungen inhaltlich und der Höhe nach plausibel und nachvollziehbar erstellt werden und so zur Vertrauensbildung und Marktberuhigung beitragen.

Immer mehr Versicherungen und Straßenbaulastträger nutzen verstärkt die Öl-Ass, um Rechnungen über die Prüf- und Abrechnungsplattform prüfen zu lassen. Erste Gerichte sehen bei Streitigkeiten Abrechnungsmodalitäten der Öl-Ass als branchenüblich an und urteilen nach diesen.

Auf Grund der großen Nachfrage von Versicherungen wie auch Straßenbaulastträgern nach einer Möglichkeit einen Dienstleister direkt über die Öl-Ass zu beauftragen, wurde ein bundesweiter Öl-Notruf ins Leben gerufen. Diesen betrieb die Öl-Ass bis Juli 2015 selbst. Auf Grund der stark ansteigenden Nutzung des angebotenen Öl-Notrufes war es notwendig, einen starken Partner zu finden. Bei der Auswahl mussten viele Kriterien wie das vorhandene technische Knowhow, Geographie- /Ortskenntnisse, technisches Equipment, Sachverständnis, 24 Stunden Erreichbarkeit sowie personelle Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden. Einen solchen Kooperationspartner hat die Öl-Ass nach umfangreicher Erkundung des Marktes im ADAC TruckService gefunden. Anfang Juni konnten sämtliche vertragliche Formalitäten erledigt und die Kooperation schriftlich fixiert werden. Ab dem 01.08.2015 werden eingehende Öl-Notruf auf der Notrufnummer 0800 88 44 2 44 vom ADAC TS bearbeitet. Speziell auf diesen Öl-Notruf geschulte Mitarbeiter des ADAC TS nehmen die eingehenden Aufträge an und leiten diese dem zum Schadenort nächstgelegenen, in der Öl-Ass gelisteten Dienstleister weiter. Bei der Beauftragung über den Öl-Notruf der Öl-Ass kann der Auftraggeber sicher sein, dass die Aufträge nach den Qualitätskriterien der Öl-Ass ausgeführt und ordentlich über diese abgerechnet werden.